M2 - "Sabbāsava Sutta" - Alle Triebe - Anhang V

ANHANG V1

Diagramm

Anusaya: Unbewußte Obsessionen, Fixierungen, Gewöhnung an Verunreinigungen, die sich anstauen, wie Lust, Ärger, Ansichten, Zweifel, Ich-Dünkel, Daseinsbegehren, Unwissenheit. Diese lagern sich als Unwissenheit ab, gären im Geist und brauen die verschiedenen egoistischen Zustände zusammen, die wir als kilesa bezeichnen. Nach und nach werden wir mit Herzenstrübungen vertraut und entwickeln diesbezügliche Gewohnheiten und Neigungen.

Āsava: Die unterbewußten Neigungen zu bestimmten Handlungsmustern, die nach Befriedigung verlangen. Aufgrund des erzeugten Drucks der angestauten anusaya fließen die āsava (Ausflüsse oder Einflüsse des Sinnlichkeitsbegehrens, Verlangens nach Werden, Ansichten-haben-wollens, Ignorant-bleiben-wollens) schließlich in den bewußten Geist ein und beeinflussen ihn: Ohne direkten Stimulus als nīvarana, mit direktem Stimulus brechen sie zumeist gleich als kilesa durch, was um so leichter geschieht je mehr Druck sich bei den anusaya aufgebaut hat.

Nīvarana: Hindernisse, Hemmungen, unbestimmtes, unheilsames Gestimmtsein des Geistes (Sinnlichkeitsverlangen, Übelwollen, Mattheit-Trägheit, Unruhe, Zweifel) – die ernährende Bedingung für avijjā. Noch keine vollständig ausgebildeten Herzenstrübungen (kilesa), diffus, ohne klaren Fokus. Treffen sie auf einen konkreten Stimulus, werden sie schnell zu ausgewachsenen kilesa.

Kilesa: Befleckungen, Verunreinigungen, Herzenstrübungen, in viele Variationen der drei Grundsarten: Gier , Haß und Verblendung.

Stimulus: Jeder wahrgenommene ignorante Kontakt mit anschließendem Gefühl.

Ablagerung: Jedes nīvarana und jedes kilesa hinterläßt eine “Spurrille” im Geist die sich mit jeder Wiederholung vertieft. (Handlungs-)Möglichkeiten, Gewohnheiten, Neigungen, Charaktereigenschaften entstehen. Diese Handlungsmuster (kamma) bedingen wiederum die Erlebensmuster (vipāka).

A III, 133: „Drei Menschen, ihr Mönche, sind in der Welt anzutreffen. Welche drei? Der der Spur im Steine gleichende Mensch, der der Spur auf dem Erdboden gleichende Mensch und der der Spur im Wasser gleichende Mensch.
Welcher Mensch aber gleicht der Spur im Steine? Da gerät ein Mensch häufig in Zorn, und dieser Zorn haftet ihm lange an. Gleichwie nämlich die Spur in einem Steine nicht so bald vergeht, weder durch Wind noch durch Wasser, sondern lange bestehen bleibt; ebenso auch, ihr Mönche, gerät da ein Mensch häufig in Zorn, und dieser Zorn haftet ihm lange an. Von diesem Menschen sagt man, daß er der Spur im Steine gleicht.
Welcher Mensch aber gleicht der Spur auf dem Erdboden? Da gerät ein Mensch zwar häufig in Zorn, aber dieser Zorn haftet ihm nicht lange an. Gleichwie nämlich die Spur auf dem Erdboden gar bald vergeht, sei es durch Wind oder Wasser, und nicht lange bestehen bleibt; ebenso auch, ihr Mönche, gerät da ein Mensch zwar häufig in Zorn, aber dieser Zorn haftet ihm nicht lange an. Von diesem Menschen sagt man, daß er der Spur auf dem Erdboden gleicht.
Welcher Mensch aber gleicht der Spur im Wasser? Da trachtet ein Mensch, selbst wenn er hart, grob und unliebsam angefahren wird, nach Eintracht, ist versöhnlich und freundlich. Von diesem Menschen sagt man, daß er der Spur im Wasser gleicht. Diese drei Menschen, ihr Mönche, sind in der Welt anzutreffen.“

M 16: „Ihr Bhikkhus, daß irgendein Bhikkhu, der fünf Wildnisse im Herzen2 nicht überwunden hat und fünf Ketten im Herzen nicht gesprengt hat, in diesem Dhamma und dieser Disziplin zu Wachstum, Anwachsen und Erfüllung gelangen sollte - das ist unmöglich.
Was, ihr Bhikkhus, sind die fünf Wildnisse im Herzen, die er nicht überwunden hat? Da ist ein Bhikkhu in Ungewißheit, im Zweifel, unentschlossen und ohne Zuversicht in Bezug auf den Lehrer, und somit neigt sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung. Da sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung neigt, ist das die erste Wildnis im Herzen, die er nicht überwunden hat.
Wiederum ist ein Bhikkhu in Ungewißheit, im Zweifel, unentschlossen und ohne Zuversicht in Bezug auf das Dhamma …
Wiederum ist ein Bhikkhu in Ungewißheit, im Zweifel, unentschlossen und ohne Zuversicht in Bezug auf die Sangha …
Wiederum ist ein Bhikkhu in Ungewißheit, im Zweifel, unentschlossen und ohne Zuversicht in Bezug auf die Übung …
Wiederum ist ein Bhikkhu zornig und unzufrieden mit seinen Gefährten im heiligen Leben, ärgerlich und hart ihnen gegenüber, und somit neigt sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung. Da sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung neigt, ist das die fünfte Wildnis im Herzen, die er nicht überwunden hat. Dies sind die fünf Wildnisse im Herzen, die er nicht überwunden hat.
Was, ihr Bhikkhus, sind die fünf Ketten im Herzen, die er nicht gesprengt hat? Da ist ein Bhikkhu nicht frei von Begierde, Gier, Vernarrtheit, Durst, Fieber und Begehren nach Sinnesvergnügen … nach dem Körper … nach Form … , und somit neigt sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung. … Wiederum ißt ein Bhikkhu soviel er mag, bis sein Bauch voll ist und er gibt sich dem Glück des Schlafens, Herumlungerns und Dösens hin, und somit neigt sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung. … Wiederum führt ein Bhikkhu das heilige Leben aus dem Grund, weil er folgendermaßen nach einer bestimmten Gattung von Dasein als Himmelswesen strebt: „Durch diese Sittlichkeit oder durch die Einhaltung dieser Regeln oder durch diese Askese oder durch dieses heilige Leben werde ich ein höheres oder niedrigeres Himmelswesen werden“, und somit neigt sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung. Da sein Geist nicht zu Eifer, Hingabe, Beharrlichkeit und Anstrengung neigt, ist das die fünfte Kette im Herzen, die er nicht gesprengt hat. Dies sind die fünf Ketten im Herzen, die er nicht gesprengt hat.
Ihr Bhikkhus, daß irgendein Bhikkhu, der diese fünf Wildnisse im Herzen nicht überwunden hat und diese fünf Ketten im Herzen nicht gesprengt hat, in diesem Dhamma und dieser Disziplin zu Wachstum, Anwachsen und Erfüllung gelangen sollte - das ist unmöglich.

Ihr Bhikkhus, daß irgendein Bhikkhu, der fünf Wildnisse im Herzen überwunden hat und fünf Ketten im Herzen gesprengt hat, in diesem Dhamma und dieser Disziplin zu Wachstum, Anwachsen und Erfüllung gelangen sollte - das ist möglich.
Er entfaltet die Machtfährte, die in der Sammlung der Absicht und entschlossener Anstrengung besteht; er entfaltet die Machtfährte, die in der Sammlung der Energie und entschlossener Anstrengung besteht; er entfaltet die Machtfährte, die in der Sammlung des Geistes und entschlossener Anstrengung besteht; er entfaltet die Machtfährte, die in der Sammlung des Nachforschens und entschlossener Anstrengung besteht. Und Enthusiasmus ist die fünfte.
Ein Bhikkhu, der auf solche Weise die fünfzehn Faktoren einschließlich des Enthusiasmus besitzt, ist in der Lage auszubrechen, zur Erleuchtung fähig, fähig, die höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein zu erlangen.
Angenommen, es gäbe eine Henne mit acht oder zehn oder zwölf Eiern, die sie richtig bedeckt, bebrütet und versorgt hatte. Obwohl sie nicht wünschte: „O, daß doch meine Küken ihre Schalen mit den Spitzen ihrer Krallen und Schnäbel durchbohren und sicher ausschlüpfen mögen!“, sind doch die Küken in der Lage, ihre Schalen mit den Spitzen ihrer Krallen und Schnäbel zu durchbohren und sicher auszuschlüpfen. Genauso ist ein Bhikkhu, der auf solche Weise die fünfzehn Faktoren einschließlich des Enthusiasmus besitzt, in der Lage auszubrechen, zur Erleuchtung fähig, fähig, die höchste Sicherheit vor dem Gefesseltsein zu erlangen.“
Das ist es, was der Erhabene sagte. Die Bhikkhus waren zufrieden und entzückt über die Worte des Erhabenen.