M5 Anaṅgaṇa sutta - Ohne Makel

Ort: bei Sāvatthī im Jeta Hain, dem Park des Anāthapiṇḍika
Wer: der Ehrw. Sāriputta und der Ehrw. Mogallāna
An wen: Gemeinschaft der bhikkhus

Der Ehrw. Sāriputta erklärt den bhikkhus, dass es vier Arten von Personen (puggalā) gibt:

1) Jemand hat einen Makel (aṅgaṇa) und es ist ihm nicht der Wirklichkeit entsprechend bewusst, dass er einen Makel hat
2) Jemand hat einen Makel und es ist ihm der Wirklichkeit entsprechend bewusst, dass er einen Makel hat
3) Jemand hat keinen Makel und es ist ihm nicht der Wirklichkeit entsprechend bewusst, dass er keinen Makel hat
4) Jemand hat keinen Makel und es ist ihm der Wirklichkeit entsprechend bewusst, dass er keinen Makel hat

Auf Nachfrage des Ehrw. Mogallāna erläutert der Ehrw. Sāriputta, dass Selbsterkenntnis - d.h. die Kenntnis darüber, ob wir einen Makel haben oder nicht - wichtig ist für die spirituelle Entwicklung.

(1) Denn jemand, der einen Makel hat und dies nicht erkennt, wird sich nicht anstrengen, um diesen Makel zu überwinden und er wird mit beflecktem Geist sterben. (2) Wenn aber jemand, der einen Makel hat, dies erkennt, dann wird er sich anstrengen, den Makel zu überwinden und er wird mit unbeflecktem Geist sterben.

(3) Jemand, der keinen Makel hat und dies nicht erkennt, ist der Gefahr ausgesetzt, dass er sich dem Merkmal des Schönen (subhanimitta) zuwendet und es entstehen Gier, Hass und Verblendung in ihm und er wird mit beflecktem Geist sterben. (4) Wenn aber jemand, der keinen Makel hat, dies erkennt, dann besteht diese Gefahr nicht und er wird mit unbeflecktem Geist sterben.

Definition von Makel: Makel ist ein Ausdruck für unheilsame Wünsche (akusala icchāvacara) und die sich daraus ergebenden unheilsamen Geisteszustände .

Der Ehrw. Sāriputta erläutert anhand von 19 Beispielen, wie durch unheilsame Wünsche (Ehrgeiz, Anerkennungsbedürfnis) in einem Mönch Zorn (kopa) und Verbitterung (appaccaya) aufsteigen. Diese Geisteszustände sind beide ein Makel.

Auch wenn ein Mönch strenge asketische Übungen auf sich nimmt, jedoch unheilsame Wünsche und die sich daraus ergebenden unheilsamen Geisteszustände noch nicht überwunden hat - so wird er von seinen Gefährten im heiligen Leben dennoch nicht respektiert und verehrt. Dieser „schlechte“ Mönch wird verglichen mit einem sauberen, glänzenden Gefäß, das einen Kadaver enthält.

Wenn aber ein Mönch ohne Makel ist, dann mag er auch ein nicht-asketisches Leben führen - so wird er von seinen Gefährten im heiligen Leben dennoch respektiert und verehrt. Dieser „gute“ Mönch wird verglichen mit einem sauberen, glänzenden Gefäß, das wohlschmeckende Speisen enthält.

Der Ehrw. Mogallāna ist begeistert von den Ausführungen des Ehrw. Sāriputta und listet noch weitere Eigenschaften auf, die einen schlechten bzw. guten Mönch ausmachen.

Übungs-Vorschlag:
Kann ich mich in einer oder mehreren der 4 Arten von Personen erkennen?