M7 Vatthūpama sutta - Das Gleichnis vom Tuch

Ort: bei Sāvatthī im Jeta Hain, dem Park des Anāthapiṇḍika
Wer: der Buddha
An wen: Gemeinschaft der bhikkhus und Brahmane Sundarika Bhāradvāja

Der Buddha erklärt den Mönchen anhand des Beispiels vom Färben eines Tuches den Unterschied zwischen einem befleckten und einem gereinigten Geist und wie man mit einem unbefleckten Geist Befreiung erlangen kann.

Das Gleichnis vom Tuch: Wenn ein Stück Tuch befleckt und beschmutzt ist, könnte man es schlecht färben und es würde farblich unrein aussehen. Ebenso ist es mit dem Geist, ein befleckter Geist kann sich nicht entfalten (bhāvanā) und als Resultat ist ein unglücklicher Bestimmungsort zu erwarten. Wenn aber ein Stück Tuch rein und sauber ist, könnte man es gut färben und es würde farblich rein aussehen. Wenn der Geist unbefleckt ist, kann er sich gut entfalten und es ist ein glücklicher Bestimmungsort zu erwarten.

Die Befleckungen des Geistes (upakkilesā) sind:

  • Habgier (abhijjhā),
  • Übelwollen (vyāpada),
  • Zorn (khoda),
  • Rachsucht (upanāha),
  • Verachtung (makkha),
  • Herrschsucht (palāsa),
  • Neid (issā),
  • Geiz (macchariya),
  • Täuschung (māyā),
  • Betrug (sāṭheyya),
  • Starrsinn (thambha),
  • Anmaßung (sārambha),
  • Dünkel (māna),
  • Überheblichkeit (atimāna),
  • Eitelkeit (mada),
  • Nachlässigkeit (pamāda).

Wenn ein bhikkhu weiß, dass diese Zustände Befleckungen des Geistes sind, dann wird er sie überwinden. Dadurch erlangt er vollkommene Zuversicht und Vertrauen in Buddha, dhamma und sangha. Aufgrund dieses Vertrauens wird er vom dhamma begeistert und es steigt Freude (veda) in ihm auf. „Wenn er froh ist, steigt Verzückung (pīti) in ihm auf; bei einem, der verzückt ist, wird der Körper still (kāya-passaddhi); einer, dessen Körper still geworden ist, empfindet Glück (sukha); bei einem, der Glück empfindet, wird der Geist konzentriert (samādhi)“.

Für einen bhikkhu von solcher Sittlichkeit, solchem Geisteszustand und solcher Weisheit sind sinnliche Genüsse kein Hindernis mehr und er erlangt die vier Göttlichen Verweilungen (mettā, karuṇā, muditā und upekkhā). Er weiß und sieht, dass es ein Entkommen gibt und damit ist sein Geist befreit vom Sinnestrieb, vom Daseinstrieb und vom Unwissenheitstrieb und er wird zu einem im ‘inneren Bad Gebadeten’ .

Der Brahmane Sundarika Bhāradvāja, der bei diesem Lehrvortrag ebenfalls anwesend ist, bemerkt, dass viele glauben, dass rituelles Baden im Fluss Bāhukā Verdienste bringt, dass dadurch üble Taten abgewaschen werden können, und dass damit Erlösung erreicht werden kann. Der Buddha erwidert, dass es Torheit ist, zu glauben, durch Waschungen in irgendwelchen Flüssen könnte Erlösung erlangt werden – Erlösung kann nur erlangt werden durch Beseitigung der Geistesbefleckungen, gleichsam durch ein ‘inneres Bad’ aber niemals durch ein ‘äußeres Bad’. Der Brahmane Sundarika Bhāradvāja ist von dieser Darlegung überzeugt, nimmt Zuflucht zu den Drei Juwelen, wird in den Orden aufgenommen und erlangt bald danach die Arahantschaft.

Übungs-Vorschlag:
Kann ich die verschiedenen Befleckungen des Geistes in mir erkennen?