M 26: "Ariyapariyesanā Sutta" - Die Edle Suchenhang - Anhang IV

ANHANG IV

MV.I.1.01-06: "Zu jener Zeit weilte der Erhabene am Fuße des Bodhi Baumes in Uruvelā am Ufer des Flusses Nerañjara, gerade eben vollkommen erwacht. So saß der Erhabene am Fuße des Bodhi Baumes sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Am Beginn des ersten Nachtabschnittes durchdachte der Erhabene im Geiste vorwärts und rückwärts die Kette des bedingten Entstehens: Es entsteht in Abhängigkeit von:
Unwissen Aktivitäten, von Aktivitäten Bewußtsein, von Bewußtsein Körper und Geist, von Körper und Geist sechsfacher (Sinnen)bereich, vom sechsfachen (Sinnen)bereich Berührungen, von Berührungen Gefühl, von Gefühl Durst, von Durst Ergreifen, von Ergreifen Werden, von Werden Geburt, von Geburt Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung. In dieser Weise entsteht diese ganze Masse von Leid.
Durch die restlose Auflösung und Vernichtung der Unwissenheit lösen sich die Aktivitäten auf, durch die Auflösung der Aktivitäten löst sich das Bewußtsein auf, durch die Auflösung des Bewußtseins lösen sich Körper und Geist auf, durch die Auflösung von Körper und Geist löst sich der sechsfache (Sinnen)bereich auf, durch die Auflösung des sechsfachen (Sinnen)bereiches löst sich die Berührung auf, durch die Auflösung der Berührung löst sich Gefühl auf, durch die Auflösung des Gefühls löst sich der Durst auf, durch die Auflösung des Durstes löst sich das Ergreifen auf, durch die Auflösung des Ergreifens löst sich das Werden auf, durch die Auflösung des Werdens löst sich die Geburt auf, durch die Auflösung der Geburt lösen sich Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung auf.
In dieser Weise vergeht die ganze Masse von Leid.

Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz: "Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen, wirklich die Wahrheit entsteht, dann schwinden ihm die Zweifel alle, denn er schaut das Gesetz der Bedingtheit."

Dann im mittleren Abschnitt der Nacht durchdachte der Erhabene im Geiste vorwärts und rückwärts die Kette des bedingten Entstehens: Es entsteht in Abhängigkeit von: Unwissen Aktivitäten … durch die Auflösung der Ge¬burt lösen sich Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung auf. In dieser Weise vergeht die ganze Masse von Leid.

Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz:"Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen, wirklich die Wahrheit entsteht, dann schwinden ihm die Zweifel alle, denn er schaut das Gesetz der Auflösung."

Dann im letzten Abschnitt der Nacht durchdachte der Erhabene im Geiste vorwärts und rück¬wärts die Kette des bedingten Entstehens: Es entsteht in Abhängigkeit von: Unwissen Aktivitäten … durch die Auflösung der Ge¬burt lösen sich Alter, Tod, Kummer, Jammer, Schmerz, Leid und Verzweiflung auf. In dieser Weise vergeht die ganze Masse von Leid.

Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz: "Wenn bei einem Eifrigen, Meditierenden, Edlen, wirklich die Wahrheit entsteht, dann steht er da die Heere des Todes vernichtend, wie die Sonne den Himmel erleuchtend."

Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Versenkung und ging vom Fuß des Bodhibaumes zum Feigenbaum namens "Ziegenhüter." Dort am Fuße des Feigenbaumes "Ziegenhüter" saß er sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.1
Da kam zum Erhabenen ein gewisser (mürrischer) Brahmane, begrüßte sich mit dem Erhabenen freundlich, und nachdem er freundliche und höfliche Worte ausgetauscht hatte, stellte er sich beiseite hin. Dort stehend sprach jener Brahmane zum Erhabenen also: "In welcher Hinsicht, Freund Gotama, ist man Brahmane, welches sind die den Brahmanen ausmachenden Eigenschaften?"
Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz: "Der Brahmane, der sich fernhält von unheilsamen Dingen, nicht überheblich, frei von Unreinheiten, selbst-beherrscht ist, die vollkommene Weisheit erreicht hat, der den Reinheitswandel beherrscht, dieser Brahmane darf sich mit Recht Brahmane nennen, in ihm ist kein weltlicher Stolz mehr."

Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Versenkung und ging vom Fuß des Feigenbaumes "Ziegenhüter" zum Mucalinda (Baum). Dort am Fuße des Mucalindabaumes saß er sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Gerade zu jener Zeit bildete sich eine große, unzeitgemäße Gewitterwolke, die sieben Tage Regen brachte, Kälte, Wind und schlechtes Wetter. Da kam der Nāgakönig Mucalinda aus seinem Wohnsitz, umschlang den Körper des Erhabenen mit sieben Windungen (seines Leibes), breitete über dem Kopf (des Erhabenen) seine große Haube aus. So stand er: "Möge dem Erhabenen nicht kalt sein, möge dem Erhabenen nicht heiß sein, möge dem Erhabenen keine Berührung sein mit Bremsen, Moskitos, Wind, Sonnenhitze und Kriechtieren."
Nach sieben Tagen sah dann der Nāgakönig Mucalinda, daß die Wolken und der Regen verschwunden waren; nachdem er die Windungen vom Körper des Erhabenen abgewickelt hatte, gab er seine Schlangengestalt auf, schuf die Gestalt eines jungen Mannes, stand vor dem Erhabenen, den Erhabenen ehrend mit zusammengelegten Händen.

Da also der Erhabene diesen Sachverhalt erkannt hatte, sprach er zu jener Zeit diesen Satz: "Freude ist die Loslösung bei einem Zufriedenen, der die gehörte Wahrheit erschaut. Freude ist Haßlosigkeit in der Welt und Nichtverletzung der Lebewesen. Freude ist Gierlosigkeit in der Welt, sich befreien von Begierden. Die Beseitigung der 'ich bin' Einbildung, das ist fürwahr höchstes Wohl."

Nachdem sieben Tage vergangen waren, erhob sich der Erhabene aus der Versenkung und ging vom Fuße des Mucalindabaumes zum Baum "Königsstätte." Dort am Fuße des Baumes "Königsstätte" saß er sieben Tage mit verschränkten Beinen, das Glück der Erlösung erfahrend.
Zu jener Zeit gingen die Kaufleute Tapussa und Bhallika aus Ukkala in jene Richtung, wo der Erhabene saß. Da sagte eine blutsverwandte Gottheit der Kaufleute Tapussa und Bhallika den beiden folgendes: "Meine Herren, der Erhabene weilt am Fuße des Baumes Königsstätte, gerade eben vollkommen erwacht. Zu jenem Erhabenen gehet und ehret ihn mit Reiskuchen und Honigkugeln, dies wird für euch lange Zeit Wohl und Freude sein."
Da gingen die Kaufleute Tapussa und Bhallika, Reiskuchen und Honigkugeln genommen habend, zum Erhabenen. Dort beim Erhabenen ehrten sie ihn und stellten sich beiseite. Beiseite stehend sagten die Kaufleute Tapussa und Bhallika zum Erhabenen folgendes: "Ehrwürdiger, möge der Erhabene von uns den Reiskuchen und die Honigkugeln annehmen, damit für uns lange Zeit Wohl und Freude sein wird."

Da kam dem Erhabenen dieser Gedanke: Nicht mit den Händen nehmen die Vollendeten etwas an. Worin sollte ich jetzt Reiskuchen und Honigkugeln annehmen? Die vier Himmelskönige erkannten in ihrem Geist den Gedankengang des Erhabenen. Sie überreichten aus den vier Himmelsrichtungen dem Erhabenen vier Almosenschalen aus Stein: "Ehrwürdiger, möge der Erhabene hierin Reiskuchen und Honigkugeln annehmen." Der Erhabene nahm die neuen aus Stein gemachten Almosenschalen an, nahm die Reiskuchen und Honigkugeln an und aß sie.

Da sahen die Kaufleute Tapussa und Bhallika, daß der Erhabene seine Hände von der Almosenschale zurück genommen hatte. Sie neigten den Kopf zu den Füßen des Erhabenen und sagten folgendes: "Wir, Erhabener, nehmen unsere Zuflucht zum Erhabenen und zur Lehre; als Laienanhänger möge uns der Erhabene betrachten von heute ab für die ganze Lebenszeit." Diese beiden waren auf der Welt die ersten Laienanhänger, die zweifache Zuflucht nahmen.

Dann, nachdem der Erhabene sieben Tage verbracht hatte, erhob er sich aus seiner Versenkung und ging vom Baum Königsstätte zum Feigenbaum "Ziegenhüter." Dort verweilte der Erhabene am Fuße des Feigenbaumes "Ziegenhüter."
Da kam im Geiste des abgesondert in Einsamkeit verweilenden Erhabenen folgender Gedanke auf: Die von mir erkannte Lehre ist tief, schwierig zu verstehen, schwer zu durchschauen, friedvoll, erhaben, nicht dem logischen Denken zugänglich, subtil, nur den Weisen zugänglich. Dem Begehren hingegeben ist doch die Menschenwelt, findet Gefallen am Begehren, erregt sich am Begehren. Für die dem Begehren hingegebene, am Begehren Gefallen findende, am Begehren sich erregende Menschenwelt ist diese Lehre schwer zu verstehen, die da ist: der ursächliche Zusammenhang durch die Entstehung in Abhängigkeit. Und auch diese Lehren sind schwer zu verstehen, die da sind: die Beruhigung aller Aktivitäten, das Aufgeben der zu Wiedergeburt führenden Dinge, die Auslöschung des Durstes, die Leidenschaftslosigkeit, die völlige Erlöschung, das Nibbāna. Wenn ich diese Lehre verkünden würde, würden die anderen mich nicht verstehen, dies würde mich erschöpfen, dies würde für mich Anstrengung sein."2
S 42, 7: "Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Nalānda im Mangohain am Saume der Stadt Pāvā. Da nun begab sich der Sohn Asibandhakos, der Vorsteher, dorthin, wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß mit ihm und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend, sprach er zum Erhabenen: "Verweilt wohl Herr, der Erhabene wohlwollend zu allen lebenden Wesen?"
"Gewiß, Vorsteher, verweilt der Vollendete wohlwollend zu allen lebenden Wesen".
"Aber der Erhabene zeigt, Herr, einigen die Lehre eindringlich, aber anderen zeigt er sie nicht so eindringlich".
"Ich will dir darüber, Vorsteher, eine Gegenfrage stellen. Wenn du willst, magst du darauf antworten. Was meinst du, Vorsteher: Da hat ein Hausvater, ein Pflüger, drei Felder: ein Feld ist das beste, ein Feld ist mittelmäßig, ein Feld ist dürftig, karstig, salzig und hat schlechte Erde. Was meinst du, Vorsteher: Wenn dieser Hausvater, der Pflüger, aussäen will, auf welches Feld würde er zuerst säen, auf das beste, das mittelmäßige oder das dürftige, karstige, salzige mit der schlechten Erde?"
"Wenn, Herr, dieser Hausvater, der Pflüger, säen will, dann würde er zuerst das beste Feld bestellen. Nachdem er dort gesät hat, würde er das mittelmäßige Feld bestellen. Nachdem er dort gesät hat, würde er vielleicht auch das dürftige, karstige, salzige Feld mit schlechter Erde bestellen. Und warum? Es könnte immerhin Viehfutter werden" .
"Gleichwie hier das beste Feld, so sind meine Mönche und Nonnen. Diesen zeige ich die Lehre, die am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt, lege sinn- und wortgetreu den vollkommen geläuterten, vollkommen geklärten Brahma-Wandel dar. Und warum? Diese verweilen, Vorsteher, mit mir als Eiland, als Schutz, als Geborgenheit, als Zuflucht.
Gleichwie das mittlere Feld, Vorsteher, sind meine Anhänger und Anhängerinnen. Auch denen lege ich die Lehre dar, die am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt, lege sinn- und wortgetreu den vollkommen geläuterten, vollkommen geklärten Brahma-Wandel dar. Und warum? Diese verweilen, Vorsteher, mit mir als Eiland, als Schutz, als Geborgenheit, als Zuflucht.
Gleichwie das dürftige, karstige, salzige Feld mit schlechter Erde sind meine andersfährtigen Asketen, Brahmanen und Pilger. Auch denen zeige ich die Lehre, die am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt, lege sinn- und wortgetreu den vollkommen geläuterten, vollkommen geklärten Brahma-Wandel dar. Und warum? Selbst wenn sie nur einen Satz verstehen, so würde ihnen das lange zum Heile und Wohle gereichen.