M44 - "Culavedalla Sutta " - Die kürzere Reihe von Fragen und Antworten

ANHANG I:

M 43 (Anfang: Fritz Schäfer -Version vom 28.01.03 mit Fußnoten - Einfügungen in Klammern von Viriya)

So hab ich's vernommen: Einstmals weilte der Erhabene in Savatthi im Siegerwald im Kloster Anāthapindikos. Da hatte sich der Ehrwürdige Mahākoṭṭhito in der Morgenfrühe erhoben und begab sich zum Ehrwürdigen Sāriputto, begrüßte ihn ehrerbietig, wechselte freundliche Worte mit ihm und setzte sich seitwärts. Seitwärts sitzend sprach der Ehrwürdige Mahākotthito zum Ehrwürdigen Sāriputto:
„Da wird einer »nicht klarwissend' (duppañño = unweise) genannt, Bruder. Inwiefern wird einer ,nicht klarwissend' genannt ?"
„Er sieht nicht klar (na-pajānāti), Bruder, er sieht nicht klar; deshalb wird er ,nicht klarwissend' genannt. Was sieht er nicht klar? 'Das ist das Leiden', sieht er nicht klar, 'das ist die Fortentwicklung des Leidens', sieht er nicht klar; ,das ist die Auflösung des Leidens', sieht er nicht klar; ,das ist die zur Auflösung des Leidens führende Vorgehensweise', sieht er nicht klar. Er sieht nicht klar, Bruder, er sieht nicht klar; - deshalb wird er ,nicht klarwissend' genannt."
„Gut, Bruder", sprach der Ehrwürdige Mahākoṭṭhito, von der Rede des Ehrwürdigen Sāriputto befriedigt und erhoben, und stellte dem Ehrwürdigen Sāriputto eine weitere Frage:
„Da wird einer klarwissend' (paññavā = weise, intelligent. Komm: ein Stromeingetretener ) genannt, Bruder. Inwiefern wird einer klarwissend genannt?"
„Er sieht klar (pajānāti)1 , Bruder, er sieht klar, deshalb wird er klarwissend genannt. Was sieht er klar? ,Das ist das Leiden', sieht er klar; ,das ist die Fortentwicklung des Leidens', sieht er klar; ,das ist die Auflösung des Leidens,' sieht er klar; ,das ist die zur Auflösung des Leidens führende Vorgehensweise', sieht er klar. Er sieht klar, er sieht klar, Bruder; deshalb wird er klarwissend genannt

„Man spricht von Bewusstseinsablauf, Bewusstseinsablauf (viññāna)2 , Bruder. Warum wird das ‘Bewusstseinsablauf´ genannt?"
„’Es wird bewusst, es wird bewusst' (vijjānāti)3, Bruder, daher die Bezeichnung ,Bewusstseinsablauf'. Und was wird bewusst?: ‘wohl tut das´, wird bewusst; `weh tut das´, wird bewusst, `weder weh noch wohl tut das´, das wird bewusst, Bruder, daher die Bezeichnung ’Bewusstseinsablauf'."

„Was da aber Klarwissen (paññā) ist, Bruder, und was da Bewusstseinsablauf (viññāna) ist - sind diese Dinge vereinigt oder getrennt, und ist es möglich, sie zu sondern (trennen) und durch Sondern einen Unterschied anzugeben?"
„Was da Klarwissen ist, Bruder, und was da Bewusstseinsablauf ist — diese Dinge sind vereinigt, nicht getrennt, und es ist nicht möglich, sie zu sondern und durch Sondern einen Unterschied anzugeben: Was man klar sieht (pajānāti), das wird bewusst (vijjānāti), was bewusst wird, das sieht man klar. Deshalb sind diese Dinge vereinigt, nicht getrennt, und es ist nicht möglich, sie zu sondern und durch Sondern einen Unterschied anzugeben."

„Was da aber Klarwissen (paññā) ist, Bruder, und was da Bewusstseinsablauf (viññāna) ist - was ist denn dann bei diesen vereinigten, nicht gesonderten Dingen der Unterschied?"
„Was da Klarwissen (paññā) ist, Bruder, und was da Bewusstseinsablauf (viññāna) ist - von diesen vereinigten, nicht gesonderten Dingen ist Klarwissen zu entfalten, Bewußsteinsablauf zu durchschauen (pariññeyyaṃ); darin liegt ihr Unterschied."

„'Gefühl, Gefühl' (vedana), sagt man. Warum wird das denn Gefühl genannt, Bruder?"
„Es4 fühlt (vedeti), es fühlt, Bruder, deshalb wird es ' Gefühl' genannt, und was fühlt es? Wohl fühlt es und Weh fühlt es und weder Weh noch Wohl fühlt es; es fühlt (vedeti), es fühlt, Bruder. Deshalb wird es ' Gefühl' genannt."

„Die Wahrnehmung (saññā), die Wahrnehmung, sagt man, Bruder. Inwiefern wird dies Wahrnehmung genannt, Bruder?!
„Man5 nimmt (für) wahr (sañjānāti), man nimmt (für) wahr, Bruder, deshalb wird es Wahrnehmung genannt, — und was nimmt man wahr? Blaues nimmt man wahr, Gelbes, Rotes, Weisses.6 Man nimmt es ( für) wahr, man nimmt es (für) wahr, Bruder, deshalb wird das Wahrnehmung genannt".

„Was da Gefühl ist, Bruder, und was Wahrnehmung ist und was Bewusstseinsablauf ist - sind diese Dinge vereinigt oder getrennt, und ist es möglich, sie zu sondern und durch Sondern (vinibbhutjitva) einen Unterschied anzugeben?"
„Was da Gefühl ist, Bruder, und was Wahrnehmung ist und was da Bewusstseinsablauf ist — diese Dinge sind vereinigt, nicht getrennt, und es ist nicht möglich, sie zu sondern und durch sondern einen Unterschied anzugeben: Was man fühlt (yaṃ vedeti) das nimmt man (für) wahr (taṃ sañjānāti)7, und was man (für) wahr nimmt, das wird bewußt (taṃ vijjānāti).8 Deshalb sind diese Dinge vereinigt, nicht getrennt, und es ist nicht möglich, sie zu sondern und durch Son¬dern einen Unterschied anzugeben."9
KZ10 : "Freund, was kann mit geläutertem Geist-Bewußtsein (mano-viññāna), das von den fünf Sinnesfähigkeiten entbunden ist, erschlossen werden?"
"Freund, mit geläutertem Geist-Bewußtsein, das von den fünf Sinnesfähigkeiten entbunden ist, kann das Gebiet der Raumunendlichkeit so erschlossen werden: 'Raum ist unendlich'; das Gebiet der Bewußtseinsunendlichkeit kann so erschlossen werden: 'Bewußtsein ist unendlich'; das Nichtsheit-Gebiet kann so erschlossen werden: 'Da ist nichts'."
"Freund, womit versteht (pajānāti ) man einen erschließbaren Zustand?"
"Freund, man versteht einen erschließbaren Zustand mit dem Auge der Weisheit."
"Freund, was ist der Zweck der Weisheit?"
"Der Zweck der Weisheit, Freund, ist unmittelbares Erkennen mit höherer Geisteskraft, ihr Zweck ist vollständiges Durchschauen, ihr Zweck ist das Überwinden."

"Freund, wieviele Bedingungen gibt es für das Erscheinen von Richtiger Ansicht?"
"Freund, es gibt zwei Bedingungen für das Erscheinen von Richtiger Ansicht: die Stimme eines anderen und weises Erwägen. Dies sind die zwei Bedingungen für das Erscheinen von Richtiger Ansicht."
"Freund, von wievielen Faktoren wird Richtige Ansicht unterstützt, wenn sie die Herzensbefreiung als Frucht, die Herzensbefreiung als Frucht und Nutzen hat, wenn sie die Befreiung durch Weisheit als Frucht, die Befreiung durch Weisheit als Frucht und Nutzen hat?"
"Freund, Richtige Ansicht wird von fünf Faktoren unterstützt, wenn sie die Herzensbefreiung als Frucht, die Herzensbefreiung als Frucht und Nutzen hat, wenn sie die Befreiung durch Weisheit als Frucht, die Befreiung durch Weisheit als Frucht und Nutzen hat. Freund, Richtige Ansicht wird hier von Sittlichkeit, Lernen, Erörterung, Ruhe und Einsicht11 unterstützt. Richtige Ansicht, die von diesen fünf Faktoren unterstützt wird, hat die Herzensbefreiung als Frucht, die Herzensbefreiung als Frucht und Nutzen, hat die Befreiung durch Weisheit als Frucht, die Befreiung durch Weisheit als Frucht und Nutzen."

"Freund, wieviele Arten von Werden gibt es?"
"Es gibt diese drei Arten von Werden, Freund: Werden der Sinnessphäre, Werden der (feinstofflichen) Form (formhaftes Werden) und formloses Werden ."
"Freund, wie kommt die Erneuerung des Werdens (Wiederwerden -punabbhavabhinibbatti) in der Zukunft zustande?"
"Freund, die Erneuerung des Werdens in der Zukunft kommt dadurch zustande, daß die Wesen, die durch Unwissenheit gehemmt und durch Begehren gefesselt sind, sich an diesem und jenem ergötzen."
"Freund, wie kommt die Erneuerung des Werdens in der Zukunft nicht zustande?"
"Freund, mit dem Verschwinden der Unwissenheit, mit dem Erscheinen von wahrem Wissen, und mit dem Aufhören des Begehrens kommt die Erneuerung des Werdens in der Zukunft nicht zustande."
"Freund, was ist die erste Vertiefung?"
"Freund, da tritt ein Bhikkhu ganz abgeschieden von Sinnesvergnügen, abgeschieden von unheilsamen Geisteszuständen, in die erste Vertiefung ein, die von anfänglicher und anhaltender Hinwendung des Geistes begleitet ist, und verweilt darin, mit Verzückung und Glückseligkeit, die aus der Abgeschiedenheit entstanden sind. Dies nennt man die erste Vertiefung."
"Freund, wieviele Faktoren hat die erste Vertiefung?"
"Freund, die erste Vertiefung hat fünf Faktoren. Wenn da ein Bhikkhu in die erste Vertiefung eingetreten ist, treten anfängliche Hinwendung des Geistes, anhaltende Hinwendung des Geistes, Verzückung, Glückseligkeit und Einspitzigkeit des Geistes (cittekaggatā) auf.12 Auf diese Weise hat die erste Vertiefung fünf Faktoren."
"Freund, wieviele Faktoren sind in der ersten Vertiefung überwunden, und wie viele Faktoren sind darin enthalten?"
"Freund, in der ersten Vertiefung sind fünf Faktoren überwunden und fünf Faktoren sind darin enthalten. Wenn da ein Bhikkhu in die erste Vertiefung eingetreten ist, ist Sinnesbegierde überwunden, Übelwollen13 ist überwunden, Trägheit und Mattheit ist überwunden, Rastlosigkeit und Gewissensunruhe ist überwunden und Zweifel ist überwunden; und es treten anfängliche Hinwendung des Geistes, anhaltende Hinwendung des Geistes, Verzückung, Glückseligkeit und Einspitzigkeit des Geistes auf. Auf diese Weise sind in der ersten Vertiefung fünf Faktoren überwunden und fünf Faktoren sind darin enthalten."

"Freund, diese fünf Sinnesfähigkeiten haben jeweils ein eigenes Feld, ein eigenes Gebiet14 , und sie erfahren nicht das Feld und Gebiet einer anderen, also die Sehfähigkeit, die Hörfähigkeit, die Geruchsfähigkeit, die Schmeckfähigkeit und die Berührungsfähigkeit. Diese fünf Sinnesfähigkeiten also, die jeweils ein eigenes Feld, ein eigenes Gebiet haben und nicht das Feld und Gebiet einer anderen erfahren, wo finden sie Hilfe, was erlebt ihre Felder und Gebiete?"15
"Freund, diese fünf Sinnesfähigkeiten haben jeweils ein eigenes Feld, ein eigenes Gebiet, und sie erfahren nicht das Feld und Gebiet einer anderen, also die Sehfähigkeit, die Hörfähigkeit, die Geruchsfähigkeit, die Schmeckfähigkeit und die Berührungsfähigkeit. Diese fünf Sinnesfähigkeiten also, die jeweils ein eigenes Feld, ein eigenes Gebiet haben und nicht das Feld und Gebiet einer anderen erfahren, finden im Geist(sinn) (mano) Hilfe, und der Geist(sinn) erlebt ihre Felder und Gebiete."
"Freund, was diese fünf Sinnesfähigkeiten anbelangt - also die Sehfähigkeit, die Hörfähigkeit, die Geruchsfähigkeit, die Schmeckfähigkeit und die Berührungsfähigkeit - wovon stehen diese fünf Sinnesfähigkeiten in Abhängigkeit?"
"Freund, was diese fünf Sinnesfähigkeiten anbelangt - also die Sehfähigkeit, die Hörfähigkeit, die Geruchsfähigkeit, die Schmeckfähigkeit und die Berührungsfähigkeit - diese fünf Sinnesfähigkeiten stehen in Abhängigkeit von Lebenskraft."
"Freund, wovon steht Lebenskraft in Abhängigkeit?"
"Lebenskraft steht in Abhängikeit von Hitze."
"Freund, wovon steht Hitze in Abhängigkeit?"
"Hitze steht in Abhängigkeit von Lebenskraft."
"Gerade eben, Freund, haben wir verstanden, daß der ehrwürdige Sāriputta sagte: 'Lebenskraft steht in Abhängigkeit von Hitze'; und jetzt verstehen wir, daß er sagt: 'Hitze steht in Abhängigkeit von Lebenskraft'. Wie sollte die Bedeutung dieser Aussagen aufgefaßt werden?"
"In diesem Fall, Freund, werde ich dir ein Gleichnis geben, denn einige weise Menschen hier verstehen die Bedeutung einer Aussage mit Hilfe eines Gleichnisses. So wie bei einer brennenden Öllampe, ihr Schein in Abhängigkeit von ihrer Flamme verstanden wird, und ihre Flamme in Abhängigkeit von ihrem Schein verstanden wird; genauso steht Lebenskraft in Abhängigkeit von Hitze, und Hitze steht in Abhängigkeit von Lebenskraft."
"Freund, sind Gestaltungen des Lebens16 Zustände des Gefühls17 oder sind Gestaltungen des Lebens eine Sache, und Zustände des Gefühls eine andere?"
"Gestaltungen des Lebens, Freund, sind nicht Zustände des Gefühls. Wenn Gestaltungen des Lebens Zustände des Gefühls wären, dann würde man einen Bhikkhu, der in das Erlöschen von Wahrnehmung und Gefühl eintritt, nicht mehr daraus auftauchen sehen.18 Weil Gestaltungen des Lebens eine Sache, und Zustände des Gefühls eine andere Sache sind, kann man einen Bhikkhu, der in das Erlöschen von Wahrnehmung und Gefühl eintritt, wieder daraus auftauchen sehen."
"Freund, wievieler Zustände muß dieser Körper beraubt sein, damit er aufgegeben, zurückgelassen, liegengelassen wird, willenlos wie ein Stück Holz?"
"Freund, wenn dieser Körper dreier Zustände beraubt ist - Lebenskraft, Hitze und Bewußtsein - dann wird er aufgegeben, zurückgelassen, liegengelassen, willenlos wie ein Stück Holz."
"Freund, was ist der Unterschied zwischen einem, der tot ist, dessen Zeit abgelaufen ist, und einem Bhikkhu, der in das Erlöschen von Wahrnehmung und Gefühl eingetreten ist?"
"Freund, im Falle von einem, der tot ist, dessen Zeit abgelaufen ist, haben die körperlichen Gestaltungen aufgehört und sind zur Ruhe gekommen, haben die sprachlichen Gestaltungen aufgehört und sind zur Ruhe gekommen, haben die geistigen Gestaltungen aufgehört und sind zur Ruhe gekommen, seine Lebenskraft ist erschöpft, seine Hitze hat sich verflüchtigt, und seine Sinnesfähigkeiten sind vollständig zerfallen. Im Falle von einem Bhikkhu, der in das Erlöschen von Wahrnehmung und Gefühl eingetreten ist, haben die körperlichen Gestaltungen aufgehört und sind zur Ruhe gekommen, haben die sprachlichen Gestaltungen aufgehört und sind zur Ruhe gekommen, haben die geistigen Gestaltungen aufgehört und sind zur Ruhe gekommen, aber seine Lebenskraft ist nicht erschöpft, seine Hitze hat sich nicht verflüchtigt, und seine Sinnesfähigkeiten sind gereinigt. Dies ist der Unterschied zwischen einem, der tot ist, dessen Zeit abgelaufen ist, und einem Bhikkhu, der in das Erlöschen von Wahrnehmung und Gefühl eingetreten ist.
"Freund, wieviele Bedingungen gibt es für das Erlangen der weder-schmerzhaften-noch-angenehmen Herzensbefreiung?"
"Freund, es gibt vier Bedingungen für das Erlangen der weder-schmerzhaften-noch-angenehmen Herzensbefreiung: mit dem Überwinden von Glück und Schmerz und dem schon früheren Verschwinden von Freude und Trübsinn, tritt da ein Bhikkhu in die vierte Vertiefung ein, die aufgrund von Gleichmut Weder-Schmerzhaftes-noch-Angenehmes und Reinheit der Achtsamkeit in sich hat, und verweilt darin. Dies sind die vier Bedingungen für das Erlangen der weder-schmerzvollen-noch-angenehmen Herzensbefreiung."

"Freund, wieviele Bedingungen gibt es für das Erlangen der merkmallosen Herzensbefreiung?"19
"Freund, es gibt zwei Bedingungen für das Erlangen der merkmallosen Herzensbefreiung: Nichtbeachtung aller Merkmale20 und Beachtung des merkmallosen Elements. Dies sind die zwei Bedingungen für das Erlangen der merkmallosen Herzensbefreiung."
"Freund, wieviele Bedingungen gibt es für den Fortbestand der merkmallosen Herzensbefreiung?"
"Freund, es gibt drei Bedingungen für den Fortbestand der merkmallosen Herzensbefreiung: Nichtbeachtung aller Merkmale, Beachtung des merkmallosen Elements21 und die vorhergehende Festlegung (ihrer Dauer)22 . Dies sind die drei Bedingungen für den Fortbestand der merkmallosen Herzensbefreiung."
"Freund, wieviele Bedingungen gibt es für das Heraustreten aus der merkmallosen Herzensbefreiung?"
"Freund, es gibt zwei Bedingungen für das Heraustreten aus der merkmallosen Herzensbefreiung: Beachtung aller Merkmale und Nichtbeachtung (amanasikara) des merkmallosen Elements (animitta dhatu). Dies sind die zwei Bedingungen für das Heraustreten aus der merkmallosen Herzensbefreiung."
"Freund, die unermeßliche Herzensbefreiung, die Herzensbefreiung durch Nichtsheit, die Herzensbefreiung durch Leerheit und die merkmallose Herzensbefreiung: sind dies verschiedene Zustände mit verschiedenen Kennzeichen, oder sind sie eins, nur mit verschiedenen Kennzeichen?"
"Freund, die unermeßliche Herzensbefreiung, die Herzensbefreiung durch Nichtsheit, die Herzensbefreiung durch Leerheit und die merkmallose Herzensbefreiung: auf eine Weise sind dies verschiedene Zustände mit verschiedenen Kennzeichen, und auf eine andere Weise sind sie eins, nur mit verschiedenen Kennzeichen (FS: nur nach der Bezeichnung verschieden)."

"Auf welche Weise, Freund, sind dies verschiedene Zustände mit verschiedenen Kennzeichen? Da verweilt ein Bhikkhu, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Liebender Güte, ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Liebender Güte erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen. Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Mitgefühl; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Mitgefühl erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen. Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Mitfreude; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Mitfreude erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen. Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von Gleichmut; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Gleichmut erfüllt ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen. Dies wird unermeßliche Herzensbefreiung genannt."
"Und was, Freund, ist die Herzensbefreiung durch Nichtsheit? Mit dem völligen Überwinden des Gebiets der Bewußtseinsunendlichkeit, indem sich ein Bhikkhu vergegenwärtigt 'da ist nichts', tritt er in das Gebiet der Nichtsheit ein und verweilt darin. Dies wird Herzensbefreiung durch Nichtsheit genannt."23
"Und was, Freund, ist die Herzensbefreiung durch Leerheit? Da erwägt ein Bhikkhu, der in den Wald oder zum Fuße eines Baumes oder in eine leere Hütte gegangen ist: 'Dies ist leer von einem Selbst oder von etwas, das einem Selbst gehört'. Dies wird Herzensbefreiung durch Leerheit genannt."24
"Und was, Freund, ist die merkmallose Herzensbefreiung? Unter Nichtbeachtung aller Merkmale tritt da ein Bhikkhu in die merkmallose Konzentration des Herzen ein und verweilt darin. Dies wird merkmallose Herzensbefreiung genannt. Auf diese Weise, Freund, sind dies verschiedene Zustände mit verschiedenen Kennzeichen."25

"Und auf welche Weise, Freund, sind diese Zustände eins, nur mit verschiedenen Kennzeichen? Gier legt Maßstäbe an, Haß legt Maßstäbe an, Verblendung legt Maßstäbe an.26 In einem Bhikkhu, dessen Triebe vernichtet sind, sind diese aufgegeben, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmenstumpf gleichgemacht, beseitigt, so daß sie künftigem Entstehen nicht mehr unterworfen sind. Von allen Arten der unermeßlichen Herzensbefreiung wird die unerschütterliche Herzensbefreiung (akuppa cetovimutti) als die beste hervorgehoben. Jene unerschütterliche Herzensbefreiung aber ist leer von Gier, leer von Haß, leer von Verblendung."
"Gier ist ein Etwas, Haß ist ein Etwas, Verblendung ist ein Etwas. In einem Bhikkhu, dessen Triebe vernichtet sind, sind diese aufgegeben, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmenstumpf gleichgemacht, beseitigt, so daß sie künftigem Entstehen nicht mehr unterworfen sind. Von allen Arten der Herzensbefreiung durch Nichtsheit wird die unerschütterliche Herzensbefreiung als die beste hervorgehoben. Jene unerschütterliche Herzensbefreiung aber ist leer von Gier, leer von Haß, leer von Verblendung."
"Gier schafft Merkmale, Haß schafft Merkmale, Verblendung schafft Merkmale (FS: ist ein Gegenstandsmacher, nimitta-karana). In einem Bhikkhu, dessen Triebe vernichtet sind, sind diese aufgegeben, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmenstumpf gleichgemacht, beseitigt, so daß sie künftigem Entstehen nicht mehr unterworfen sind. Von allen Arten der merkmallosen Herzensbefreiung wird die unerschütterliche Herzensbefreiung als die beste hervorgehoben.27 Jene unerschütterliche Herzensbefreiung aber ist leer von Gier, leer von Haß, leer von Verblendung. Auf diese Weise sind diese Zustände eins, nur mit verschiedenen Kennzeichen."

Das ist es, was der ehrwürdige Sāriputta sagte. Der ehrwürdige Mahā Koṭṭhita war zufrieden und entzückt über die Worte des ehrwürdigen Sāriputta.