M44 Cūḷavedalla Sutta - Die kürzere Reihe von Fragen und Antworten

Ort: bei Rājagaha im Bambushain, dem Eichhörnchenpark
Wer: bhikkhunī Dhammadinnā
An wen: Laienanhänger Visākha

Der Laienanhänger Visākha stellt der bhikkhunī Dhammadinnā eine Reihe von Fragen über wichtige und subtile Aspekte der Lehre. Bhikkhunī Dhammadinnā beantwortet all diese Fragen korrekt und der Buddha bestätigt, dass er diese Fragen genauso beantwortet hätte.

Persönlichkeit/Selbst-Identifikation (sakkāya): Durch Ergreifen der Fünf Daseinsgruppen entsteht Persönlichkeit/Selbst-Identifikation. Der Ursprung der Persönlichkeit/Selbst-Identifikation ist das Begehren (taṇhā), das immer wieder zu erneuter Existenz führt: Verlangen nach sinnlichem Erleben (kāma-taṇhā), Daseinsbegehren (bhava-taṇhā) und Begehren nach Nicht-Dasein (vibhava-taṇhā). Das Erlöschen der Persönlichkeit ist das restlose Aufgeben und Loslassen dieses Begehrens durch die Entfaltung des Edlen Achtfachen Pfades. Das Anhaften ist weder dasselbe wie die Fünf Daseinsgruppen noch ist das Anhaften getrennt von den Fünf Daseinsgruppen.

Persönlichkeitsansicht (sakkāya-diṭṭhi): Die Persönlichkeitsansicht entsteht dadurch, dass man jeweils eine der Daseinsgruppen als Selbst betrachtet, oder Selbst als eine dieser Daseinsgruppen besitzend, oder eine der Daseinsgruppen als im Selbst enthalten, oder Selbst als in einer der Daseinsgruppen enthalten. Die Persönlichkeitsansicht entsteht nicht, wenn man die Fünf Daseinsgruppen nicht als Selbst betrachtet.

Der Edle Achtfache Pfad (aṭṭhangika-magga): Der Edle Achtfache Pfad ist nicht ungestaltet (asankhata) sondern gestaltet (sankhata). Die drei Übungsfelder (Sittlichkeit/sīla, Geistesschulung/bhāvanā, Weisheit/paññā) sind nicht im Edlen Achtfachen Pfad enthalten, sondern der Edle Achtfache Pfad ist in den drei Übungsfeldern enthalten.

Sammlung (samādhi): Sammlung ist die Einheit des Geistes (cittassa ekaggatā); die Vier Grundlagen der Achtsamkeit sind das Merkmal der Sammlung (samādhi-nimitta); die Vier Rechten Anstrengungen sind das Rüstzeug der Sammlung (samādhi-parikkhārā); die Pflege, Entwicklung und Übung eben dieser Fähigkeiten ist die Entfaltung der Sammlung (samādhi-bhāvanā).

Gestaltungen (sankhāra): Es gibt folgende drei Gestaltungen: die Gestaltung des Körpers (Einatmen und Ausatmen), die Gestaltung der Sprache (gerichtete Gedanken/vitakka und Überlegen/vicāra), und die Gestaltung des Geistes (Wahrnehmung/saññā und Gefühl/vedanā). Des weiteren beantwortet bhikkhunī Dhammadinnā einige Fragen zum Erreichungszustand des Aufhörens von Wahrnehmung und Gefühl (nirodha-samāpatti). Unter anderem erklärt sie, dass ein bhikkhu, der aus dem Erreichungszustand des Aufhörens von Wahrnehmung und Gefühl herausgetreten ist, von drei Arten von Kontakt berührt wird: Leerheit Kontakt (suññato phasso), merkmalloser Kontakt (animitto phasso) und wunschloser Kontakt (appaṇihito phasso).

Gefühl (vedanā): Es gibt drei Arten von Gefühlen: Angenehmes Gefühl (körperlich oder geistig angenehm und erfreulich): dieses Gefühl ist angenehm, wenn es anhält und unangenehm, wenn es sich verändert. Unangenehmes Gefühl (körperlich oder geistig schmerzhaft und unerfreulich): dieses Gefühl ist unangenehm, wenn es anhält und angenehm, wenn es sich verändert. Weder-unangenehmes-noch-angenehmes Gefühl (körperlich oder geistig weder erfreulich noch unerfreulich): dieses Gefühl ist angenehm, wenn man es klar erkennt und unangenehm, wenn man es nicht klar erkennt.

Neigungen (anusaya): Den drei Gefühlen liegen jeweils drei unterschiedliche Neigungen zugrunde, die überwunden werden sollten:

  • Angenehmes Gefühl – Neigung zur Begierde (rāgānusaya)
  • Unangenehmes Gefühl – Neigung zur Ablehnung (paṭhigānusaya)
  • Weder unangenehmes noch angenehmes Gefühl – Neigung zur Unwissenheit (avijjānusaya)

Diese drei Neigungen liegen aber nicht jeglichen der drei Gefühle zugrunde. Außerdem erklärt bhikkhunī Dhammadinnā, in welchen Fällen die zugrundeliegenden Neigungen nicht überwunden werden müssen.

Gegenstücke (paṭibhāga): Es werden verschiedene Gegenstücke (sowohl Gegenteil als auch Ergänzung) genannt:

  • Angenehmes Gefühl ̶ Unangenehmes Gefühl
  • Unangenehmes Gefühl ̶ Angenehmes Gefühl
  • Weder-unangenehmes-noch-angenehmes Gefühl ̶ Unwissenheit
  • Unwissenheit ̶ Wahres Wissen
  • Wahres Wissen – Befreiung
  • Befreiung – nibbāna
  • Nibbāna – zu nibbāna gibt es kein Gegenstück, denn das heilige Leben endet in nibbāna

Übungs-Vorschlag:
Womit identifiziere ich mich am meisten: mit meinem Körper, mit meinen Gefühlen, mit meinem Beruf, mit meinem sozialen Status, etc.?

Welche Arten von Gefühlen bemerke ich bei mir verstärkt (angenehme, unangenehme, neutrale Gefühle)?

Ist es mir möglich, den Wechsel der Gefühle wahrzunehmen?