M109 Mahāpuṇṇama Sutta - Die Längere Lehrrede in der Vollmondnacht

Ort: bei Sāvatthī im Östlichen Park, im Palast von Migāras Mutter
Wer: der Buddha
An wen: Gemeinschaft der Bhikkhus

In einer Vollmondnacht erklärt der Buddha einem Bhikkhu, der ihn diesbezüglich fragt, die fünf Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird (pañcupādānakkhandha) – materielle Form (rūpa), Gefühl (vedanā), Wahrnehmung (saññā), Gestaltungen (sankhāra), Bewusstsein (viññāṇa), sowie das Zustandekommen der Persönlichkeitsansicht und das Überwinden der Persönlichkeitsansicht:

1) Die Daseinsgruppen, an denen angehaftet wird, wurzeln im Wollen (chanda).

2) Das Anhaften ist weder das Selbe wie die fünf Daseinsgruppen noch ist das Anhaften getrennt von den fünf Daseinsgruppen. Das Anhaften ist eben diese Gier und die Begierde (chandarāga) in Bezug auf die fünf Daseinsgruppen.

3) Aus dem Verlangen nach einer speziellen zukünftigen Manifestation einer Daseinsgruppe entsteht Unterschiedlichkeit in Gier und Begierde in Bezug auf die fünf Daseinsgruppen.

4) Jede Daseinsgruppe kann als „Gruppe“ betrachtet werden, da sie folgende Aspekte beinhaltet:
a) vergangen, zukünftig und gegenwärtig, b) innerlich und äußerlich, c) grob und subtil, d) gemein und edel, e) entfernt und nah.

5) Jede Daseinsgruppe hat eine Ursache und eine Bedingung für ihre Manifestation: Die Ursache und die Bedingung für materielle Form sind die vier Großen Elemente; die Ursache und die Bedingung für Gefühl, Wahrnehmung und Gestaltungen ist Kontakt; die Ursache und die Bedingung für Bewusstsein ist Name-und-Form (nama-rūpa).

6) Die Persönlichkeitsansicht entsteht dadurch, dass man jeweils eine der Daseinsgruppen als Selbst betrachtet, oder Selbst als eine dieser Daseinsgruppen besitzend, oder eine der Daseinsgruppen als im Selbst enthalten, oder Selbst als in einer der Daseinsgruppen enthalten.

7) Glück und Freude, die in Abhängigkeit von einer der Daseinsgruppen entstehen, sind die Befriedigung in den Daseinsgruppen. Die Gefahr in den Daseinsgruppen besteht darin, dass sie vergänglich sind, dass sie Leiden verursachen und dass sie der Veränderung unterworfen sind. Die Beseitigung von Gier und Begierde nach den Daseinsgruppen ist das Entkommen aus den Daseinsgruppen.

8) Wenn man diesen „Körper samt Bewusstsein“ in allen Aspekten mit Weisheit der Wirklichkeit entsprechend sieht: Vergänglichkeit, Leidhaftigkeit und Ichlosigkeit in den Daseinsgruppen erkennt, dann wird man ihnen gegenüber ernüchtert und begierdelos. Dann gibt es kein Ich-Machen, kein Mein-Machen, keine zugrundeliegende Neigung zum „Ich-bin-Dünkel“ mehr und das Wissen der Befreiung entsteht.

Übungs-Vorschlag:
Kann ich den Prozess des “Ich-Machens”, „Mein-Machens” und „Ich bin“ bei mir erkennen?
Und wie wäre es, wenn ich mich nicht mehr mit Glück und Leid, die aus dem Ergreifen der fünf Daseinsgruppen entstehen, identifizieren würde?