M7

7.) Das Gleichnis vom Kleide (Vatth'upama-suttaṃ)M7_Neu M7_Zum

Übersetzungen: 1) Dahlke, in : Buddha, 2) Schmidt

Kommentar: 1) Anders, in MBl 1955, S. 128-131, 2) Debes, in WW 1963, S. 2-28, 42-56, 3) Nyanaponika, Wheel 61/2, Kandy 1964, 54 S.

Personen:

Sundariko Bhāradvājo. Ein Brahmane, der am Ufer der Sundarikā in Kosala Feueropfer darzubringen pflegte und daher seinen Beinamen erhielt. In S 7,9 ( = Sn 455-486 in etwas erweiterer Fassung) kennt er den Buddha noch nicht, tritt aber auf Grund eines Gespräches mit ihm in den Orden ein und wird heilig, ebenso wie es hier in M 7 berichtet wird. Offenbar gehören beide Reden (M 7 und S 7,9) zusammen und betreffen eine einzige Begegnung, von der nur verschiedene Aspekte berichtet werden.

Anmerkungen:

1. "besudelt" = sankilittha (in M 5 = unlauter) ist Kleid und Herz. Das Kleid ist außerdem "voller Flecken" (mala-gahitam, wie in M 5 die Schüssel). Dasselbe Gleichnis bei Mahasi (? xxx) (Homilie II, 4).
2.

Blau, gelb, rot sind die 3 Grundfarben (nīla, pīta-, lohita-kāya), als viertes wird genannt mañjettha, übesetzt: violett (M 7), karmin ( M 21), grün (M 75), braun (A V/193), Krapp (S 12, 64), rot (S 22, 100), crimson (MV I,15). Also völlig unklar.
3.

"schlechter Ausgang" = du-ggati = Untermenschentum. Gegenteil: su-gati.
4.

"sauber und rein" = parisuddha, pariy-odāta = sauber und völlig weiß.
5.

"Trübung des Herzens" = citassa upakkilesā. Sankilesa und upakilesa sind hier völlig identisch. Upakilesa ist in M 128 mit Verschlackung übersetzt, in D 25 mit Schlacken. Nicht nur die hier genannten 16 sind Herzenstrübungen sondern jede Art von lobha, doso, moho (so M 14) und alle āsava sind sankilesa (M 49). Kilesa, mala, doso, anganam sind Synonyme.
6.

"Verderbte Selbstsucht" = abhijjhā-visama-lobho = Bedürfen (abhi-jhā = hinschauen, gleiche Wurzel wie jhāna = Schauung), ungleicher (visama) Sucht (lobho), ein Synonym für die erste der 5 Hemmungen (son in A IV/61). Visama-lobho sonst noch in D 26, A III/56. Ungleich = ungerecht, verkehrt (s A II/41, A VI,10). Sonst ausgedrückt durch abhijjh'-ālu = Bedürfnis nach Verbotenem, Habsucht. In M 3 als erste der 16 nur lobho (Sucht).
7.

"Bosheit" = vyāpādo = Aversion,Übelgängigkeit, Gehässigkeit. In M 3 statt dessen doso ("Haß"). Die Kehrseite des Begehrens.
8.

"Zorn und Niedertracht" = kodho, upanāho = Zorn und Rachsucht. In M 3 und M 8 "Zorn und Zwietracht".
9.

"Heuchelei und Neid" = makkho, palāso = Machtgier und Herrschsucht.
10.

"Eiferung, Eigensucht" = issā, macchariyam = Neid, Geiz (M 8 Eigennutz).
11.

"Trug, Tücke" = māyā, sātheyyam = Heuchelei und Heimlichkeit (Heimtücke); M 8: "Gleissen und List" (dort in Pāli umgekehrt).
12.

"Starrsinn und Ungestüm" = thambho, sārambho = Trotz, Verachten ( unlesbar xxx)
13.

"Dünkel, Übermut" = māno, atimāno. M3: "Stolz und Dünkel". M 8: "Eitelkeit" für atimāno
14.

"Lässigkeit, Leichtsinn" = mado, pamādo = Rausch, Leichtsinn. M3: Lauheit und Lässigkeit, M 8 "sich gehen lassen" = pamatto
15.

"einsehn (später: erkannt), verleugnen" = viditva pajahati.
16.

"Liebe zum Erwachten erprobt" = Buddhe avecca-ppasādena samannāgato hoti = Hinsichtlich des Buddha mit absoluter heiter-klarer Zufriedenheit ausgestattet. Es folgt der sog. Ruhmesruf.
17.

"Wohl kundgetan ist vom Erhabenen die Wahrheit" = sv'ākkhāto Bhagavatā dhammo". Es folgen 5 Merkmale des Gesetzes.
18.

"Wohl, ehrlich, recht, geziemend vertraut" = su-, uju-, ñāya-, sāmīci-patipanno = gut, ehrlich, methodisch, richtig fortgeschritten. Die 4 Paare von 8 Arten sind die 4 Ariyas, je Pfad und Frucht.
19.

"Rücksicht abgetan…" = yath'odhi cattam, vantam, muttam, pahīnam, patinissattham. Yath'odhi = gemäß dem Beschränktenm das ist nach J535 v (xxx) und Sn 60 kāma. In M 137 übersetzt mit "Einwirkung". Die 5 Verben kommen teils in M 141 bei der 2. Wahrheit vor: cāgo, patinissaggo, mutti. Die 5 wären zu übersetzen: entsagt, ausgespuckt, befreit, verleignet, losgelassen.
20.

"Verständnis von Sinn und Wahrheit, verständnisreife Wahrheitwonne gewinnen" = labhati attha-vedam, labhati dhamma-vedam, labhati dhamm'upasamhitam pāmujjam = erlangen Verstehensfreude von Sinn und Gesetz, mit dem Gesetz verbundene Vorfreude. Veda ist ein Gefühl des Wahrheitsverständnisses, pāmujjam ist ein daraus folgendes Gefühl der Vorfreude auf Gutes und Helles. Daraus folgen weitere Gefühle: Seligkeit (piti = Jubel), Gestilltheit (passaddhi), "Heiterkeit" (sukha = Wohl, Wonne körperlich). Ergebnis: Einigung (samādhi).
21.

"Tugend, Wahrheit, Weisheit" = sila, dhamma, pañña. In M 68 übersetzt: leben, lehren, wissen. Als dhamma gilt hier wohl das reine Herz, gemäß des sonst üblichen Trias sila-citta-paññā. In It 97 istdhamma = 7 Erweckungen.
22.

Die 4 "Strahlungen" heißen wörtlich "erfüllt/durchdrungen habend" (pharitvā). Das Herz ist: "weit, tief, unbeschränkt, Grimm/Groll geklärt" = vipula, mah'agga-ta, a-ppamāna, a-vera, a-vyābajjha = voll, hochsinnig, unbeschränkt, ohne Feindschaft, ohne Beschwer.
23.

Gemeines (hina = kāma), Edles (panita) = Strahlung, Brahmawelt), Freiheit höher als diese sinnliche Wahrnehmung (saññā-gatassa uttarim nissaranam = höchste Entrinnung aus der Gewahrungsart). Diese Entrinnung ist die Freiheit von den 3 āsava.
24.

"Läuterung, Heiligung (3. Aufl. Heilung xxx), Schuld" = mokkha, puñña, pāpam katam kammam = Befreiung, Verdienst, schlecht gewirktes Werk.
25.

In den Versen wechseln die beiden Haupt-Versmaße ab, nämlich der achtsilbige Sloka (Vers 1,3,5) und der mehrsilbige Tristrub (Vers 2,4). Dieser Wechsel vom raschen und getragenen Rhythmus macht die besondere Eindringlichkeit dieser ersten Verse der Mittleren Sammlung aus.
26.

In den Versen kommt dreimal das Karma vor:
1: gewirkte Schuld = kanha-kamma = dunkles Wirken
2: Sündentat = pāpa-kamma = böses Wirken
3: Reines wirkt = suci-kamma = reines Wirken
27.

"Mai" = phaggu = wohl Kurzform für den Frühlingsmonat Phagguna der indes früher liegt als unser Mai. Gemeint ist wohl: Der Reine hat immer die Fülle, wie in dem Vers der Guyon:
"Alles ist Lachen und Blühen
für den, der nichts begehret…"
28.

"Der Selbstverleugnung standhaft treu" = saddhāno a-macchari = Vertrauen habend, ohne Geiz (Selbstsucht).
29.

Die Formel des Endspurts findet sich vielfach in den Reden: M 57, 73, 75, 82, 86, 89 usw. Es ist dies die häufigste Formel für die Beschreibung der Heiligkeit, zwei andre waren in
M 1 und M 3 genannt. "Nicht mher ist diese Welt" = nāpram itthatāya = nichts darüberhinaus über die Diesheit. Es ist voll erkannt und verwirklicht, daß es nichts außerhalb des Subjektes mehr gibt.

Thema: Wie wird das Herz geläutert?

1.Als erstes muß man wissen, daß das Ziel des Lebens (Wohl zu erlangen und Wehe zu meiden) durch keinerlei äußere Mittel, wie Waschen in heiligen Flüssen usw. zu erreichen ist, sondern nur durch Abwaschen der Besudelungen des Herzens. Einzig durch solche Herzensläuterung kommt man zum Heil, da Reinheit und Wohl in eins ist. Wie ein unreines Kleid durch keinerlei Färbung rein wird, ebenso wird ein unreines Herz durch keinerlei äußeres Darübertun rein.

2.Als zweites muß man wissen, daß es nur drei Besudelungen des Herzens, drei Herzenstrübungen, gibt, nämlich Gier, Haß und Irre. Diese lassen sich verschieden auffächern, und zwar für die Überwindung der Begehrenswelt in drei Weisen: Drei schlechte Gedanken, nämlich Sinnliches Begehren, sinnliche Aversion, jede Art Gewalt; als die 5 Hemmungen, die die Gewalt zwiefach unterteilen und den Zweifel als geistiges Hindernis hinzufügen. Die dritte Weise sind die hier beschriebenen 16 Herzenstrübungen, bei denen im Gegensatz zu den Hemmungen die soziale Seite überwiegt:
a. Die ersten beiden Trübungen entsprechen den ersten beiden Hemmungen sowie den ersten beiden schlechten Gedanken. Sinnliches Hinneigen und Wegneigen ist der Grund für alle Übel.
b. Alle 14 weiteren Trübungen sind Formen der "Gewalt", nämlich des falschen Forcierens (Zorn, Rachsucht, Machtgier, Herrschsucht), des falschen Blockierens (Heuchelei, Heimlichkeit, Neid, Geiz), des falschen Sortierens (Stolz, Überhebung, Trotz, Verachtung, Rausch, Leichtsinn). Es ist falsche Aktivität, Passivität, Unterscheidung.

3. Wer innerhalb der Lehre, d.h. von rechter Ansicht geleitet, diese 16 Trübungen allmählich bekämpft und immer mehr überwindet, der gewinnt dadurch die Frucht der Hörerschaft, deren vier Glieder hier genannt sind: Absolute Zufriedenheit mit dem Erwachten, mit der Lehre und mit der Jüngerschaft, sowie viertens die Tugendbewährung im Umgang mit dem sinnlich begegnenden, die hier einmal etwas abweichend formuliert ist: es ist die Tugend, der es bei der Tugend nicht um die Tugend sondern um Höheres geht. Die Frucht der Hörerschaft zeigt sich in der 7. Prüfung in M 48, die auch hier genannt ist: Wahrheitswonne, mit höheren Wohlgefühlen, die zum samādhi leiten. Das ist die Tugend, die samādhi-samvattanika ist (M 48).

4.Wer die 5 Hemmungen überwindet, kommt zur Schauung, wer die 16 sozialen Trübungen überwindet, kommt zur Strahlung. Beides ist dasselbe an brahmischem Sein, nur mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

5. Wer durch die Überwindung der 16 Herzenstrübungen zum reinen Herzen brahmischen Seins gereift ist, der kann auch noch die höheren Herzenstrübungen merken, die letzten Reste von Gier nach formhaftem und formlosem Sein, die die höchste Entrinnung aus dem Gewahrungstraum noch hindern. Indem er auch sie überwindet, ist er nun völlig rein, gebadet im inneren Bade, ist ein Heiliger.