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MN7 - Das Gleichnis vom Tuch
Majjhima Nikàya
Das Gleichnis vom Tuch (Vatthúpama Sutta)

1. So habe ich gehört. Einmal hielt sich der Erhabene bei Sàvatthã im Jeta Hain, dem Park des
Anàthapindika auf. Dort richtete er sich folgendermaßen an die Bhikkhus: „Ihr Bhikkhus.“ –
„Ehrwürdiger Herr“, erwiderten sie. Der Erhabene sagte dieses:
2. „Ihr Bhikkhus, angenommen ein Stück Tuch wäre befleckt und beschmutzt, und ein Färber
tauchte es in die eine oder andere Farbe ein, in blaue oder gelbe oder rote oder rosafarbene; es
würde schlecht gefärbt und farblich unrein aussehen. Warum ist das so? Wegen der Unreinheit des
Tuches. Ebenso kann ein unglücklicher Bestimmungsort erwartet werden, wenn der Geist befleckt
ist. Ihr Bhikkhus, angenommen ein Stück Tuch wäre rein und sauber, und ein Färber tauchte es in
die eine oder andere Farbe ein, in blaue oder gelbe oder rote oder rosafarbene; es würde gut gefärbt
und farblich rein aussehen. Warum ist das so? Wegen der Reinheit des Tuches. Ebenso kann ein
glücklicher Bestimmungsort erwartet werden, wenn der Geist unbefleckt ist.“
3. „Was, ihr Bhikkhus, sind die Befleckungen des Geistes? Habgier, die
unrechtschaffene Gier ist eine Befleckung des Geistes. Übelwollen ist eine Befleckung des Geistes.
Zorn ist eine B efleckung des Geistes. Rachsucht ist eine Befleckung des Geistes. Verachtung ist
eine Befleckung des Geistes. Herrschsucht ist eine Befleckung des Geistes. Neid ist eine
Befleckung des Geistes. Geiz ist eine Befleckung des Geistes. Hinterlist ist eine Befleckung des
Geistes. Betrug ist eine Befleckung des Geistes. Starrsinn ist eine Befleckung des Geistes.
Anmaßung ist eine Befleckung des Geistes. Dünkel ist eine Befleckung des Geistes.
Überheblichkeit ist eine Befleckung des Geistes. Eitelkeit ist eine Beflekkung des Geistes.
Nachlässigkeit ist eine Befleckung des Geistes.“
4. „Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Habgier, die unrechtschaffene Gier eine Befleckung des Geistes
ist, so überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Übelwollen eine Befleckung des Geistes ist,
so überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Zorn eine Befleckung des Geistes ist, so
überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Rachsucht eine Befleckung des Geistes ist, so
überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Verachtung eine Befleckung des Geistes ist, so
überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Herrschsucht eine Befleckung des Geistes ist, so
überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Neid eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet
er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Geiz eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie.
Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Hinterlist eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn
ein Bhikkhu weiß, daß Betrug eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn ein
Bhikkhu weiß, daß Starrsinn eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn ein
Bhikkhu weiß, daß Anmaßung eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn ein
Bhikkhu weiß, daß Dünkel eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu
weiß, daß Überheblichkeit eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu
weiß, daß Eitelkeit eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie. Wenn ein Bhikkhu weiß,
daß Nachlässigkeit eine Befleckung des Geistes ist, so überwindet er sie.“
5. „Wenn ein Bhikkhu weiß, daß Habgier, die unrechtschaffene Gier eine Befleckung des Geistes
ist, und sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Übelwollen eine Befleckung des Geistes
ist, und sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Zorn eine Befleckung des Geistes ist, und
sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Rachsucht eine Befleckung des Geistes ist, und
sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Verachtung eine Befleckung des Geistes ist, und
sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Herrschsucht eine Befleckung des Geistes ist, und
sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Neid eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Geiz eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Hinterlist eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Betrug eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Starrsinn eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Anmaßung eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Einbildung eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Überheblichkeit eine Befleckung des Geistes ist, und
sie überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Eitelkeit eine Befleckung des Geistes ist, und sie
überwunden hat; wenn ein Bhikkhu weiß, daß Nachlässigkeit eine Befleckung des Geistes ist, und
sie überwunden hat; dann erlangt er folgendermaßen vollkommene Zuversicht in Bezug auf den
Buddha: ,Der Erhabene ist ein Verwirklichter, ein vollständig Erleuchteter, vollkommen im wahren
Wissen und erhaben im Verhalten, Vollendet, Kenner der Welten, unvergleichlicher Meister
bezähmbarer Menschen, Lehrer himmlischer und menschlicher Wesen, ein Erwachter, ein
Erhabener.“
6. „Er erlangt folgendermaßen vollkommene Zuversicht in Bezug auf das Dhamma: ,Das Dhamma
ist vom Erhabenen wohl verkündet worden, es ist hier und jetzt sichtbar, zeitlos, lädt zum
Überprüfen ein, führt aufwärts, und ein Weiser kann es für sich selbst verwirklichen.‘“
7. „Er erlangt folgendermaßen vollkommene Zuversicht in Bezug auf die Sangha: ,Die Sangha der
Schüler des Erhabenen hat gut praktiziert, hat geradlinig praktiziert, hat richtig praktiziert, hat
pflichtbewußt praktiziert, nämlich die vier Paare vortrefflicher Menschen, die acht Arten von
Personen; dies ist die Sangha der Schüler des Erhabenen; sie ist würdig der Geschenke, würdig der
Gastfreundschaft, würdig der Gaben, würdig des Respekts; sie ist ein unübertreffliches
Verdienstfeld für die Welt.‘“
8. „Hat er die Befleckungen des Geistes teilweise aufgegeben, ausgetrieben, losgelassen,
überwunden und beseitigt, so erwägt er: ,Ich bin von vollkommener Zuversicht in Bezug auf den
Buddha erfüllt‘, und er wird davon begeistert, er wird vom Dhamma begeistert, er erlangt Freude
im Zusammenhang mit dem Dhamma. Wenn er froh ist, steigt Verzückung in ihm auf; bei einem,
der verzückt ist, wird der Körper still; einer, dessen Körper still geworden ist, empfindet Glück; bei
einem der Glück empfindet, wird der Geist konzentriert.“
9. „Er erwägt: ,Ich bin von vollkommener Zuversicht in Bezug auf das Dhamma erfüllt‘, und er
wird davon begeistert, er wird vom Dhamma begeistert, er erlangt Freude im Zusammenhang mit
dem Dhamma. Wenn er froh ist, steigt Verzükkung in ihm auf; bei einem, der verzückt ist, wird der
Körper still; einer, dessen Körper still geworden ist, empfindet Glück; bei einem, der Glück
empf indet, wird der Geist konzentriert.“
10. „Er erwägt: ,Ich bin von vollkommener Zuversicht in Bezug auf die Sangha erfüllt‘, und er wird
davon begeistert, er wird vom Dhamma begeistert, er erlangt Freude im Zusammenhang mit dem
Dhamma. Wenn er froh ist, steigt Verzükkung in ihm auf; bei einem, der verzückt ist, wird der
Körper still; einer, dessen Körper still geworden ist, empfindet Glück; bei einem, der Glück
empf indet, wird der Geist konzentriert.“
11. „Er erwägt: ,Die Befleckungen des Geistes sind in mir teilweise aufgegeben, ausgetrieben,
losgelassen, überwunden und beseitigt worden‘, und er wird davon begeistert, er wird vom
Dhamma begeistert, er erlangt Freude im Zusammenhang mit dem Dhamma. Wenn er froh ist, steigt
Verzückung in ihm auf; bei einem, der verzückt ist, wird der Körper still; einer, dessen Körper still
geworden ist, empfindet Glück; bei einem der Glück empfindet, wird der Geist konzentriert.“
12. „Ihr Bhikkhus, wenn ein Bhikkhu von solcher Sittlichkeit, solchem Geisteszustand und solcher
Weisheit Almosenspeise aus erlesenem Bergreis mit verschiedenen Soßen und Beilagen ißt, so wird
nicht einmal das zum Hindernis für ihn. Ebenso wie ein beflecktes, beschmutztes Tuch mit Hilfe
von klar em Wasser rein und sauber wird, ebenso wie Gold mit Hilfe eines Schmelzofens rein und
glänzend wird, ebenso wird, wenn ein Bhikkhu von solcher Sittlichkeit, solchem Geisteszustand
und solcher Weisheit Almosenspeise aus erlesenem Bergreis mit verschiedenen Soßen und Beilagen
ißt, nicht einmal das zum Hindernis für ihn.“
13. „Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von
Liebender Güte
1)
; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch
nach oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt
er, indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Liebender Güte erfüllt
ist, unerschöpflich, erhaben, unermeßlich, ohne Feindseligkeit und ohne
Übelwollen.“
14. „Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von
Mitgefühl; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach
oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er,
indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Mitgefühl erfüllt ist,
unerschöpflich, erhaben, uner meßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen.“
15. „Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von
Mitfreude; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach
oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er,
indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Mitfreude erfüllt ist,
unerschöpflich, erhaben, uner meßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen.“
16. „Er verweilt, indem er eine Himmelsrichtung mit einem Herzen durchdringt, das erfüllt ist von
Gleichmut; ebenso die zweite, ebenso die dritte, ebenso die vierte Himmelsrichtung; auch nach
oben, nach unten, in alle Richtungen und überall hin, und zu allen wie zu sich selbst, verweilt er,
indem er die allumfassende Welt mit einem Herzen durchdringt, das von Gleichmut erfüllt ist,
unerschöpflich, erhaben, uner meßlich, ohne Feindseligkeit und ohne Übelwollen.“
17. „Er versteht: ,Es gibt dies, es gibt Niederes, es gibt Höheres, und darüber hinaus gibt es ein
Entkommen aus diesem gesamten Feld der Wahrnehmung
2)
.‘“
18. „Wenn er so weiß und sieht, ist sein Geist vom Sinnestr ieb befreit, vom Werdenstrieb und vom
Unwissenheitstrieb. Wenn er so befreit ist, kommt das Wissen: ,Er ist befreit.‘ Er versteht: ,Geburt
ist zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist getan, was getan werden mußte, darüber
hinaus gibt es nichts mehr.‘ Bhikkhus, diesen Bhikkhu nennt man einen im inneren Bad
Gebadeten.“
19. Bei dieser Gelegenheit saß der Brahmane Sundarika Bhàradvàja nicht weit vom Erhabenen
entf ernt. Da sagte er zum Erhabenen: „Geht denn Meister Gotama zum rituellen Baden zum Fluß
Bàhukà?“ „Warum, Brahmane, zum Fluß Bàhukà gehen? Was kann der Fluß Bàhukà schon tun?“
„Meister Gotama, viele glauben, daß der Fluß Bàhukà Erlösung bringt, viele glauben, daß er
Verdienste bringt, und viele waschen im Fluß Bàhukà ihre üblen Taten ab.“
20. Da richtete sich der Erhabene in Versform an den Brahmanen Sundarika
Bhàradvàja:
„In Bàhukà und Adhikakkà,
In Gayà und Sundarikà,
In Payàga und Sarassatï,
Und auch im Strom Bàhumatï:
Ein Tor mag dort für immer baden,
Doch läutert er nicht dunkle Taten.
Was kann Sundarikà bewirken?
Was Payàga? Was Bàhukà?
Nicht läutern sie den Übeltuer,
Der Grausames, Brutales tat.
Wer reinen Herzens ist, hat ständig
Das Frühlingsfest, den Feiertag
3)
;
Der Reine, dessen Tat geläutert,
Bringt zur Vollendung seine Tugend.
Hier solltest du, Brahmane, baden,
Mach‘ dich zum Schutz für alle Wesen.
Wenn nie du eine Lüge sprichst,
Kein Lebewesen je verletzt,
Nicht nimmst, was nicht gegeben ist,
Vertrauen hast, kein Geizhals bist,
Wozu dann noch zur Gayà geh‘n?
Zur Gayà wird dir jeder Born.“
21. Nach diesen Worten sagte der Brahmane Sundarika Bhàradvàja zum Erhabenen: „Großartig,
Meister Gotama! Großartig, Meister Gotama! Das Dhamma ist von Meister Gotama auf vielfältige
Weise klar gemacht worden, so als ob er Umgestürztes aufgerichtet, Verborgenes enthüllt, einem
Verirrten den Weg gezeigt oder in der Dunkelheit eine Lampe gehalten hätte, damit die Sehenden
die
Dinge erkennen können. Ich nehme Zuflucht zu Meister Gotama und zum Dhamma und zur Sangha
der Bhikkhus. Ich würde gerne unter Meister Gotama in die Hauslosigkeit ziehen
4)
, ich würde
gerne die Ordination
5)
erhalten.“
22. Und der Brahmane Sundarika Bhàradvàja zog unter dem Erhabenen in die Hauslosigkeit und
erhielt die Ordination. Und bald, nicht lange nach seiner Ordination, nachdem er allein lebte,
zurückgezogen, umsichtig, eifrig und entschlossen, trat der ehrwürdige Bhàradvàja hier und jetzt
durch eigene Verwirklichung mit höherer Geisteskraft in das höchste Ziel des heiligen Lebens ein,
für das
Männer aus guter Familie zu Recht von zu Hause fort in die Hauslosigkeit ziehen, und er verweilte
darin. Er erkannte unmittelbar: „Geburt ist zu Ende gebracht, das heilige Leben ist gelebt, es ist
getan, was getan werden mußte, darüber hinaus gibt es nichts mehr.“ Und der ehrwürdige
Bhàradvàja wurde einer der Arahants.

Anmerkungen:
1) Es folgt die Standardbeschreibung der Entfaltung der Göttlichen Verweilungen (brahmavihàra);
Liebende Güte – der Wunsch, alle Wesen mögen Glück erleben;
Mitgefühl – der Wunsch, alle Wesen mögen frei von Leid sein;
Mitfreude – Freude über das Glück aller Wesen; Gleichmut – ein Ebenmaß des Geistes, in der
Erkenntnis, daß alle Wesen dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliegen.
2) Laut MA eine Umschreibung der Vier Edlen Wahrheiten.
3) Uposatha, der Mond-Tag, an dem bereits vor der Zeit des Buddha besonderer Wert auf ethische
Übung gelegt wurde.
4) pabbajjà: Aufnahme in die Sangha als Novize.
5) upasampadà: volle Ordination zum Bhikkhu